!

:

(936)
(6393)
(744)
(25)
(1497)
(2184)
(3938)
(5778)
(5918)
(9278)
(2776)
(13883)
(26404)
(321)
(56518)
(1833)
(23400)
(2350)
(17942)
(5741)
(14634)
(1043)
(440)
(17336)
(4931)
(6055)
(9200)
(7621)






oder Vorlagen für Protagonisten



Der Roman Buddenbrooks von Thomas Mann trägt ganz konkrete autobiografische Züge. Thomas Mann schildert im Roman den Niedergang einer Familie, wie er ihn ähnlich in seinem Umfeld erlebt hat.

In den Buddenbrooks hat jede Romanfigur ihre Entsprechung in der Wirklichkeit. Eine Lübecker Buchhandlung offerierte ihren Kunden zu den Romanbänden sogar eine Liste, in welcher die geneigten Leser erfahren konnten, wer im Buche wem im damaligen Lübeck glich.

Eigentlich wollte Thomas Mann nur über den sensitiven Spätling Hanno schreiben, doch der Roman wächst zu einem umfangreichen Generationenroman, in dessen Mittelpunkt Mann seine eigenen Verwandten stellt. Er zeichnet die Figuren des Romans nach tatsächlich existenten Vorbildern(Angehörige, Bekannte, Lübecker Bürger). Die Mutter von Thomas Mann stellte ihrem Sohn zahlreiche Familienpapiere zur Verfügung, in denen die Geschichte der Manns mit den wichtigsten Ereignissen von den drei Vorvätern von Thomas festgehalten worden waren.

Der Generationen oder Gesellschaftsroman Buddenbrooks behandelt die Blüte und den Niedergang einer großbürgerlichen Lübecker Kaufmannsfamilie in vier Generationen. Zu Beginn stehen die Buddenbrooks auf der Höhe ihrer Macht. Johann Buddenbrook hat durch den Getreidehandel ein Vermögen gemacht und ist vor kurzem mit seiner Frau, Antoinette, seinem Sohn dem Konsul Johann/Jean, dessen Frau Elisabeth und ihren drei Kindern Thomas, Antonie (Tony) und Christian in ein neues und prächtiges Haus gezogen. Am Buddenbrookhaus in der Mengstraße wird besonders deutlich, wie sich Dichtung und Wahrheit im Roman vermischen. Das Haus gehörte bis 1891 den Großeltern Thomas Manns, der 1875 als Sohn des Senators Thomas Johann Heinrich Mann in Lübeck zur Welt kam. In seinem Roman machte der Schriftsteller das Gebäude zum Haus der Buddenbrooks.

Johann Buddenbrook der Ältereist von nüchterner Sachlichkeit und unerschütterlichem Selbstvertrauen, bodenständig und weltläufig zugleich er spricht sowohl plattdeutsch als auch fließend französisch. Außerdem kann er (von seiner Schwiegertochter auf dem Harmonium begleitet) die Flöte blasen, eine Begabung, die er nicht weitervererbt hat. Weltanschaulich tendiert er zur Philosophie der Aufklärung und hält spöttische Distanz zur Religion.Als literarische Vorlage in Thomas Manns Familie wird Johann Siegmund Mann I, der Urgroßvater Thomas Manns, der Gründer der Firma Mann Johann Siegmund Mann, Commissions- und Speditionsgeschäft, gesehen. Von ihm stammt der Wahlspruch der Kaufleute im Roman: Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können.



Als Vorlage für Jean Buddenbrook, den Sohn aus der zweiten Ehe Johann Buddenbrooks des Älteren mit Antoinette, diente Konsul Johann Siegmund Mann II, Thomas Manns Großvater. Er war der eigentliche Chronist der Familie Mann, schrieb das geerbte Chronikheft in der erblichen Bibel ab. Auch Johann Siegmund Mann verlor seine erste Frau bei der Geburt des Sohnes und legte die Geschäfte in die Hände seines Sohnes aus zweiter Ehe.

Die Figur vom Thomas Buddenbrook, letztem Chef der Firma, wird oft als Abbild von Manns eigenem Vater Thomas Johann Heinrich Mann gesehen. Doch der hätte sich wohl energisch gegen diese Zuschreibung verwehrt. Im Roman fällt es Thomas Buddenbrook zunehmend schwer, seinen Geschäftspflichten zu tun. Mit viel Disziplin hält er die Fassade des vornehmen Firmeninhabers aufrecht, aber innerlich fühlt er sich mit nur 42 Jahren als "ermatteter Mann". Der Vater Thomas Manns kennt solche Skrupel nicht. Unter den Lübecker Kaufleuten gehörte er zu den Anwälten des Fortschritts: er tut alles, um dem altehrwürdigen Lübeck den Weg in die Industriemoderne zu ebnen. Der Vater Thomas Johann Heinrich Mann ließ seinen Kindern eine praktische, strenge Erziehung angedeihen typisch für die arbeitssame Lübecker Kaufmannsgesellschaft. Als er erkannte, dass seine Kinder sich nicht nach seinen Wünschen entwickelten, ließt er die Firma in seinem Testament verkaufen, da er seine Söhne für ungeeignet hielt, sein traditionsreiches Unternehmen vorzuführen.



Thomas Manns Tante Elisabeth Amalie Mann, geschiedene Elfeld, geschiedene Haag, diente als Vorlage für Tony Buddenbrook. 1897 schrieb der Schriftsteller seiner Schwester Julia Mann einen umfangreichen Bericht über Tante Elisabeth. Viele Details daraus sind wörtlich in den Roman übernommen worden (die Kinderstreiche, der Hang zum Luxus, die Anekdote mit der Specksuppe). Wie ihr literarisches Abbild war auch Elisabeth Mann zweimal verheiratet. Zur ersten Ehe wurde sie ebenfalls von den Eltern gedrängt, und ihr Ehemann ging bankrott.

Christian Buddenbrook (der zweite Sohn von Jean und Elisabeth Buddenbrook und Bruder von Thomas, Tony). Sein Vorbild ist Friedrich Wilhelm Lebrecht Mann, in der Familie Onkel Friedel genannt. Klaus Mann, der Sohn Tomas Mannes, berichtete, Onkel Friedel sei ein neurotischer Tunichtgut gewesen, der sich in der Welt herumtrieb und über eingebildete Krankheiten klagte. Friedrich Mann hat sich gegen die seiner Meinung nach ehrabschneidende Darstellung in dem Roman gewehrt:



Wenn der Verfasser der Buddenbrooks in karikierender Weise seine allernächsten Verwandten in den Schmutz zieht, so wird jeder rechtdenkende Mensch finden, dass dieses verwerflich ist. Ein trauriger Vogel, der sein eignes Nest beschmutzt!.

Christian Buddenbrook hat nicht nur Züge des schrulligen Onkels. Die Meinungsverschiedenheiten der ungleichen Brüder Christian und Thomas Buddenbrook spiegelt bereits im Ansatz den ausbrechenden Konflikt zwischen Thomas Mann und seinem Bruder und SchriftstellerHeinrich Mann wider. Christians Lebenswandel ähnelt dem Privatleben des jungen Heinrich Mann.

Gerda Buddenbrook weist Parallelen zu Thomas Manns Mutter Julia Mann auf. Beide wachsen mutterlos auf und verbringen einige Jahre in einem Lübecker Mädchenpensionat. Auch Julia Mann verlässt nach dem Tod ihres Mannes die enge Heimatstadt mit ihrem Standesdünkel.

Als Urbild des Bendix Grünlich im Roman diente Ernst Elfeld.Er heiratete er Elisabeth Mann, die spätere Tante Thomas Manns, die als Tony Buddenbrook bekannt wurde. Im Herbst des gleichen Jahres fiel sein Unternehmen der Wirtschaftskrise zum Opfer und er musste den Bankrott erklären. Thomas Mann übernahm in seinem Roman für die Figur Grünlichs die Herkunft Elfelds aus dem Pastorenhaus, den Zusammenbruch des Geschäfts und die Scheidung; über das weitere Schicksal des Mannes berichtete er nicht.

Auch die Einflüsse und das Leiden Thomas Manns unter dem preußischen Schulsystem spiegeln sich im Werk wieder. Der Schriftsteller lässt Hanno Buddenbrook ebenso unter der Schule leiden wie einst er selbst. Sogar die Erinnerungen an das Spiel mit dem Puppentheater im Kinderzimmer findet in den Buddenbrooks Eingang. So spielt der kleine Hanno ebenso gerne mit dem Puppentheater wie Thomas Mann selber.

Thomas Mann hat nie verschwiegen, dass der Roman seine eigene Familie aller Welt unter die Augen brachte. Die wirklichkeitsgetreue Darstellung in den Buddenbrooks führte jedoch zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen. Thomas Mann hatte sich mit dem Vorwurf des Plagiats und der bloßstellenden Porträtierung lebender und zum Teil öffentlich bekannter Zeitgenossen auseinanderzusetzen. Einige gleichgesinnte Schriftsteller behaupten aber Buddenbrooks sind keine Nacherzählung der Geschichte der Manns, aber sie ist auch keine Phantasiegeschichte. Mann porträtiert, aber seine Porträts sind neue Menschen.


600




allrefrs.ru - 2021 . !